| Galerie
Stadtpark: Judith Fegerl, Barnaby Hosking - Asynchronous Circuits
Et
in Arcadia ego
von Susanne
Rohringer, artmagazine.cc,
01.11.2008
Mit neuer kuratorischer Leitung startet die galerie stadtpark in Krems
in die neue Ausstellungssaison. Im August 08 übernahm der Kurator
und Theoretiker David Komary von Christina Lackner, die neunzehn Jahre
die Geschicke des Künstlervereins leitete, die Geschäftsführung
und gestaltete ein neues Galerieprogramm.
Mit der österreichischen Künstlerin Judith Fegerl und dem britischen
Künstler Barnaby Hosking präsentiert er nun seine erste Themenausstellung.
Betritt man den zur Straße hin abgedunkelten Raum, so findet man
sich in einer Art modernen Wunderkammer wieder, in der seltsam anmutende
Apparate und irritierende Projektionen zu sehen sind. Es sind Erkenntnisse
des 17., 18. und 19. Jahrhunderts, die hier zitiert werden und, in eine
zeitgenössische Formensprache übersetzt, Fragen nach Zeit- und
Raumverschränkungen stellen, sowie den intellektuellen Besetzungen
von Licht und Dunkel sowie ihren malerischen Qualitäten nachspüren.
Fegerls Apparate, die an die sprechenden Automaten des vorrevolutionären
Frankreichs erinnern, scheinen, in einer Endlosschleife geschaltet, bis
in die Unendlichkeit beseelt Impulse abzugeben. So zum Beispiel die Arbeit
„Temporal Deflector“, in der 60 kreisförmig angeordnete
Magnetspulen durch elektronische Impulse die Nadel des Kompasses in ihrer
Mitte zur Rotation im Uhrzeigersinn zwingen. Ein Instrument der räumlichen
Orientierung wird somit zum Chronometer, Zeit und Raum werden endlos ineinander
verschränkt. Wie wir uns materialisierte Unendlichkeit vorstellen
können, zeigt uns Fegerl in ihrer humorvollen Skulptur „Lemniscate
protuberantia“. Hierbei gestaltete die Künstlerin das mathematische
Zeichen für Unendlichkeit - 8 - als weißes Hasenfellobjekt
und verweist dabei auf den Hasen aus „Alice im Wunderland“,
der zwischen Zeiten zu wandern vermag und somit die Linearität der
Zeit aufhebt. Eine Freiheit, die dem Menschen nicht möglich ist.
Während Fegerls theoretische Überlegungen in (be)greifbaren
Skulpturen ihre ästhetischen Lösungen finden, evozieren Barnaby
Hoskings Arbeiten imaginierte Gefühle und verweisen auf Repertoires
von Landschaftsdarstellungen vom 17.Jahrhundert bis zur Romantik. In „Black
Flood“ projiziert er einen stetig steigenden Wasserspiegel auf einen
dunklen Teppich, der sich wie eine geschwärzte Filmleinwand von oben
in den Galerieraum entrollt. Das langsame Fluten des Wassers erinnert
an Unbewusstes, Überwältigendes, Unaussprechliches, kurz, Vorsprachliches,
das erst später durch Worte ans Licht der Erkenntnis gelangt. Hosking
nimmt dabei Anleihen an ein längst verklungenes Arkadien. Ähnliches
gelingt ihm auch mit dem Tryptichon „Claude Mirror Sun 8“
wo eine Kassette im ersten Teil mit einem konkaven Spiegel und im zweiten
Teil mit schwarzem Samt ausgelegt ist, ein Verweis auf den Maler Claude
Lorrain, der im 17. Jahrhundert, um die reflektierende Sonne ungeblendet
abmalen zu können, einen derartigen Spiegel entwarf. Daneben hängt
Hosking ein in gleichem Format gemaltes Bild eines Sonnenuntergangs, das
auf romantisierende Art die Erhabenheit des Objekts unterstreicht
In dieser sehr gelungenen Ausstellung findet man die Themen wieder, die
David Komary schon in seinem Ausstellungsraum dreizehnzwei beschäftigten,
den er fünf Jahre in Wien 4 erfolgreich betrieb. Es sind Fragen nach
der medialen Repräsentation unserer Alltagswelt und dem künstlerischen
Unterlaufen der gängigen Bildregime, nach Raum- und Zeitphänomenen
sowie der räumlichen Präsenz von Farbe und Farbgebung. Man kann
der galerie stadtpark und ihrem neuen Leiter nur wünschen, dass dieses
ambitionierte Programm auch gewürdigt und vor allem gesehen wird.
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