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KUNST
Künstlerin Judith Fegerl im Kulturforum in London

Kulturjournal - Rainer Elstner
Ö1, Mo, 10.04.2006, 11:59


Judith Fegerls Arbeiten erlangten zuletzt auch international Interesse. Vor einem Jahr wurde die in Niederösterreich geborene Künstlerin wurde in der Ö1 Talentebörse von oe1.ORF.at porträtiert. Ihre Kunstwerke und Installationen manipulieren ganz bewusst die Sinne der Betrachter. Ihre Installationen für die Räumlichkeiten des Londoner Kulturforums konzentrieren sich auf das Sehen. Die Arbeiten mit dem Titel "white light" führen das Auge des Betrachter gekonnt hinters Licht.


Irritationen des Auges
Die in Wien lebende Künstlerin irritiert gezielt die menschliche Wahrnehmung. Dabei entstehen sinnliche und oft überraschende Kunstwerke. Judith Fegerl: "Ich versuche Emotionen oder Gefühle oder Erfahrungen, die ich selber gemacht habe, technisch zu reproduzieren und sie so aufzubereiten, dass ein Betrachter sie wieder erfahren kann - auf seine eigene Weise."
Fegerl stellt die Sinne auf die Probe. Eine der Installationen heißt "Will-o-the-Wisp" - Irrlicht. In einem abgedunkelten Raum ist eine grüne, computergenerierte Video-Projektion zu sehen. Auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches. Doch kleine grüne Lämpchen sorgen für den Irrlicht-Effekt. Lichtblitze dieser Lampen hinterlassen Nachbilder auf der Netzhaut des Betrachters.
Das Besondere an Fegerls Kunst ist: erst die körperliche Präsenz des Betrachters vervollständigt das Kunstwerk. Erst die Irritationen im Auge des Besuchers vervollständigen das Bild.


Grenzgänge zwischen Betrachter und Objekt
Fegerl führt uns an die Grundfragen der Kunst und der Kunstbetrachtung. Die Kombination von sinnlichem Aspekt und Theorie ist der 1977 geborenen Künstlerin Anliegen: "Mir ist es für meine Arbeiten extrem wichtig, dass sie vielschichtig sind. Und dass es für den Betrachter eine Möglichkeit gibt, die Arbeit begreifen zu können, auch wenn er nicht gewillt ist, ein Hundert-Seiten-Handbuch dazu zu lesen."
Die Videoinstallation "Teardrop Floaters" simuliert die Trübungen im Glaskörper des Auges. Auch bei "Teardrop Floaters" verwischen sich schnell die Grenzen zwischen Betrachter und Objekt. Sieht man das Video oder die Störungen im eigenen Auge? Beides. Das Auge des Betrachters wird zum Ort der Kunst.

Künstlerin als Missing Link
Judith Fegerls Karriere ging im letzten Jahr steil bergauf. Nach Ausstellungen in Österreich folgten Einladungen zur Biennale in Warschau, nach Nairobi, Prag und Paris. Wie sieht Judith Fegerl ihre Rolle als junge Künstlerin im Kunstbetrieb? "Ich weiß nicht, ob ich das von meiner Warte aus so einschätzen kann, weil mir von verschiedenen Seiten gesagt worden ist, dass durch meine Person und die Arbeiten, die ich mache, eine Art Missing Link darstelle. Weil ich einerseits mit beiden Beinen in verschiedenen Arealen der Kunst verankert bin, also sowohl ich Ausstellungen habe, die klar zur modernen oder neuen Internet- oder Medienkunst-Szene dazugehören, andererseits klassische Locations wie jetzt das Austrian Cultural Forum, wo ich merke, dass von beiden Seiten eine Resonanz da ist. Und noch dazu glaube ich, dass man als Frau, wenn man sich mit Technik beschäftigt, eine andere Resonanz hat von der Szene her."


Fegerls Installationen sind technisch ausgefeilt. Lassen sich Galerien auf so etwas ein? "Ich habe das Gefühl, dass sehr wenig Risikobereitschaft da ist, was Verkäufe oder Verträge mit Künstlern angeht, weil alle sehr stark auf das Verkaufbare setzen. Was noch immer sehr gefragt ist, sind zweidimensionale Arbeiten. Ich merke, dass Künstlerkollegen, die sehr viel im immateriellen Internetbereich gearbeitet, es geschafft haben ein Bein hinüberzuretten, indem sie jetzt digitale Motive auf Leinwände ausdrucken lassen und das verkaufen. Zum einen verstehe ich das, zum anderen muss man sich andere Konzepte überlegen, was die Verkaufbarkeit, Haltbarkeit und Gültigkeit betrifft."


Mehr dazu in Ö1 Inforadio und in der Ö1 Talentebörse
Veranstaltungs-Tipp
Judith Fegerl, Installationen "white light" 5. April bis 4. Mai 2006, Londoner Austrian Cultural Forum




 

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