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Kunst Raum Niederösterreich: Profiler
Niederösterreichische Geborgenheit in Wien
20.10.2005

von Karl Vogd


Mitten im Wien hat das Land Niederösterreich eine kreative Dependance eingerichtet. Im ehemaligen Landhaus in der Herrengasse existiert seit Anfang Oktober den "Kunst Raum NÖ". Zur Eröffnungsausstellung wird der Besucher mit einer ironischen Geste geleitet. Der durch den Hof des "Palais Niederösterreich" führende rote Teppich schwenkt nämlich unvermittelt nach links ab und führt in einen Ausstellungsraum. Dort wurde ein für Besucher leicht erreichbares Forum der "jungen" Kunst ins Leben gerufen. Einen ähnlich niederschwelligen Zugang praktizieren die Niederösterreich übrigens seit ein paar Jahren im St. Pöltner Landhaus. Dort haben sie mit der "Landhausbrücke" ebenfalls einen Ausstellungsraum in einem Amtsgebäude geschaffen. Den Beamten zur Anregung und den Landesbürgern zur Entspannung.
Der Kunst Raum NÖ versteht sich als Ort der Chancen und Möglichkeiten. Man wolle neue "Sichtweisen aufzeigen und Wahrnehmungsmuster weiterentwickeln", so die Leiterin Christiane Krejs. Der Ausstellungsraum sei "eine Startrampe für junge Kunst". Aufstrebenden Talenten soll nicht nur eine Gelegenheit der Werkpräsentation geboten werden. Auch Strukturen und Netzwerke zur Unterstützung der Künstler will man aufbauen.

Mit der ersten Ausstellung "Profiler" wird der Schauraum in Wien diesem Anspruch durchaus gerecht. Sieben KünstlerInnen, alle zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt, haben sich die Aufgabe gestellt, Aspekte der Identität des Bundeslandes Niederösterreich aufzuspüren. Wie gute Ermittler beweisen dabei viel Spürsinn und Geschick. Besonders überzeugend ist eine Arbeit des gebürtigen Vorarlbergers Stephan Lugbauer. Unübersehbar dokumentiert ein überdimensionaler "Life Size"-Photoprint den Brauch des Hochzeitsschießens. Um noch mehr Atmosphäre zu schaffen, wurde sogar eine Gaskanone in der Art eines Flak-Geschützes konstruiert und vor der großformatigen Aufnahme positioniert. Eine beigefügte Videosequenz macht den Sinn des Ganzen erst so richtig deutlich. Vor der Braut in Weiß wird das Geschütz zu einem phallischen Monstrum.

Eine geistreiche Anspielung ist auch eine winzige Latexskulptur der in Niederösterreich lebenden Pariserin Elise Mougin. Das Objekt ist nämlich eine Neo-Venus von Willendorf, deren Kopf gewissermaßen im Körper versinkt. "Capital Caput" lautet der Titel des Torsos, der auf die im Körper Niederösterreichs eingeschlossene Bundeshauptstadt anspielt.

Eine originelle Annäherung an die emotionale Befindlichkeit so mancher Niederösterreicher ist der aus Kaltenleutgeben stammenden Judith Fegerl mit ihrer Installation "Nest" gelungen. Sie hat Infrarotlampen, wie sie bei der Kükenaufzucht verwendet werden, an der Decke montiert. Dass die von den Lampen ausgehende Wärme bald unangenehm wird, spürt man erst, wenn man unter den Strahlern durchgeht. Zu viel Geborgenheit kann auch erdrücken - diese Erfahrung wird hier für jeden nachvollziehbar.


(A-1014 Wien, Herrengasse 13, bis 26.11.2005)
http://www.kunstraum.net

 

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