Judith
Fegerl, Installationen
Nicht auf ein Medium festgelegt von
Matthias Osiecki
Ö1,
03.09.2005
"Ich wollte schon immer Kunst studieren, für mich gab es nichts
anderes - trotz des Intermezzos auf der Wirtschafts-Uni. Ich habe sogar
versucht, dieses Interesse zu unterdrücken, weil bei mir zu Hause
ein künstlerischer Beruf als 'nicht ordentlich' galt. Aber es war
unmöglich. Und letztlich habe ich diesen inneren Drang zugelassen.
Es kommt eine Idee - und ich muss sie realisieren", erzählt
Judith Fegerl, Jahrgang 1977, die seit 1999 an der Akademie der bildenden
Künste Wien bei Peter Kogler Kunst und digitale Medien studiert.
Judith Fegerl
Abschließen wird sie ihr Akademie-Studium im Sommer nächsten
Jahres. Um ihre Kenntnisse zu ergänzen, hat sie auch an der Wiener
Angewandten bei Peter Weibel visuelle Mediengestaltung besucht und dieses
Studium bereits im Vorjahr abgeschlossen. "Ich mag Technik, Computer,
Mechanik und Elektronik - und ich will mein Spektrum möglichst weit
und offen halten und mich nicht auf ein Medium festlegen", erklärt
die Nachwuchs-Künstlerin. Die Liebe zur Technik hat sie von ihrem
Vater, einem Nachrichtentechniker, geerbt.
Cross-over-Künstlerin
"Mir ist es wichtig, Erfahrungen weiter zu geben - aber nicht in
didaktischer Form. Es sind keine Erfahrungen, die man in Worte fassen
könnte, es sind Eindrücke, Gefühle und Zustände, die
ich irgendwann erlebt habe. Also eine Verarbeitung in poetischer und in
romantischer Weise. Und ich habe keine Angst vor Kitsch. Die Nüchternheit
der verwendeten Materialien reduziert auf das Wesentliche - und lässt
dem Betrachter den nötigen Freiraum", so Judith Fegerl über
ihren künstlerischen Zugang.
"Read Only Memory", Installation (2004): Monochromatisches Licht
eines Laserstrahls tastet je einen Tag lang getragene Einweg-Kontaktlinsen
ab. Die in der Linse gespeicherten Veränderungen werden durch den
Laserstrahl ausgelesen und visualisiert.
"Ich möchte nicht als Video- oder Installationskünstlerin
bezeichnet werden. Ich mache Videos, elektronische Installationen, Arbeiten
mit Licht, es können aber ebenso Performances sein - und manchmal
male ich auch Bilder. Es ist also ein breites Spektrum", stellt Fegerl
fest. Ein Künstlerfreund habe sie einmal als Cross-over-Künstlerin
bezeichnet: "Er meinte, dass meine Inspiration und dieses Müssen,
eine Arbeit zu machen, autobiografische Verlinkungen mit mir selber hat.
Also in der Tradition der Alten Meister."
Langwierige Umsetzung
"Das Unberechenbarste ist meistens die Idee - sie kommt, oder kommt
nicht. Dann beginnt die Routine - Tüftelei, Pläne, Skizzen machen.
Da die meisten Arbeiten kompliziert sind, dauert es mitunter lang, bis
sie fertig sind. Bis alles - vom Material bis zu den Kosten - geklärt
ist, vergeht bis zur Realisierung manchmal sogar ein Jahr."
Zahlreiche Ausstellungen
Seit 1999 war die junge Künstlerin, wie man ihrer Homepage entnehmen
kann, bei zahlreichen Ausstellungen vertreten. Allein heuer waren und
sind Fegerls Arbeiten im Rahmen mehrerer Schauen präsent:
"Schwimmer im Tränensee", Video, Loop, (2005): Computer-Animation
eines optischen Phänomens, charakteristisch durch schattenhafte Formen.
Eine Darstellung von Artefakten, die zwar jeder sieht, die man aber nicht
mit einer Kamera aufzeichnen kann.
So u.a. in "Read Only Memory 1.2" beim Rundgang im Semper-Depot,
in der Gruppenausstellung "Spuren (Traces) / "gosh! where are
you, now?" im Kunstraum Auto, in "Display Hautnah" im Kunstforum
Vienna, bei der art position 2005, in der Einzelausstellung "Tracks
and Traces" im Kunstraum Auto sowie in der Gruppen-Schau "Computerprints
of Whales" in der Galerie der Stadt Wels, die bis Ende des Jahres
zu sehen ist.
"Gargoyle Extensions" in Paris
Seit 1. September ist ihre Arbeit "Gargoyle Extensions" im Rahmen
des Betonsalon in Paris zu sehen. "Gargoyles sind jene Wasserspeier,
die auf alten Häusern angebracht sind. Es sind Fabelwesen - und sie
sind ein Bezugspunkt zur Stadt, denn ich wollte für Paris etwas Spezielles
schaffen", erklärt Fegerl.
"Gargoyle Extensions": Live-Video-Performance mit Thermografie-Kamera,
Betonsalon Paris (2005): Körper-Erweiterungen, die nur mit einer
Wärmebildkamera sichtbar werden. Mit bloßem Auge sind diese
Besonderheiten nicht erkennbar.
"Es ist eine Live-Installation, die fast an eine Performance grenzt.
Ich habe dafür eine Wärmebild-Kamera, verbunden mit einem Videobeamer,
aufgestellt. Die Besucher werden gefilmt, die Bilder dann live auf eine
Wand projiziert und die Besucher können ihre eigenen Wärmebilder
sehen. Einige ausgesuchte Personen sind mit versteckten Wärme- und
Kältepolstern ausgestattet, die ihr Wärmebild deformieren. Und
so sieht man z. B. jemanden, der einen Buckel wie der Glöckner von
Notre Dame hat. Das spannende dabei: Die Menschen sehen zwar normal aus,
aber durch die Technik erscheinen sie wie Fabelwesen."
"Profiler" im Kunstraum NÖ
Bereits am 6. Oktober zeigt Fegerl ihre nächste Arbeit. Sie wurde
vom Kunstraum NÖ für die Eröffnungsausstellung "Profiler"
eingeladen und hat dafür die Installation "Nest" entwickelt.
Es ist ein sehr persönlicher Zugang, den die Jungkünstlerin,
die selbst Niederösterreicherin ist, für diese Arbeit gewählt
hat.
"Nest", Installation (2005): Im Raum hängen viele glühbirnenartige
Objekte von der Decke, strahlen aber kein Licht aus. Es ist nichts zu
sehen. Um diese Arbeit erfahren zu können, muss man andere Sinne
bemühen.
"Es wird eine Wärme-Installation mit Infrarotstrahlen. 36 Elstein
Keramik-Dunkelstrahler, wie man sie bei der Kükenaufzucht verwendet,
werden von der Decke hängen. Wenn man darunter steht, wird man leicht
die Wärme spüren. So vermittle ich meinen Zugang zu Niederösterreich,
der vor allem über die Beziehung zu meinen Eltern, die in Mödling
wohnen, geht. Es drückt die Geborgenheit, die Liebe und die Zufriedenheit
zu Hause aus. Andererseits ist man gefangen, es ist erdrückend, man
muss sich arrangieren", beschreibt Fegerl ihre Arbeit.
Disziplin und Durchhaltevermögen
Seit ihrem Studium arbeitet Fegerl nebenbei im Bereich Marketing. "Ich
rechne damit, dass ich zumindest in den nächsten fünf Jahren
nicht von der Kunst leben kann. Man braucht schon sehr viel Disziplin
und großes Durchhaltevermögen, wenn man als freischaffende
Künstlerin leben will."
"Aber vielleicht habe ich Glück und bekomme eine Assistentenstelle.
Mein Traum ist es, meine Arbeiten ohne finanzielle Sorgen schaffen zu
können. Und eine Zeit lang auch im Ausland zu arbeiten", formuliert
Judith Fegerl ihre Wünsche.
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